Am Ziel deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel. Marie von Ebner Eschenbach

Archiv für April, 2010

San Isidro

Wir sind umgezogen. Seit 2 Wochen beobachte ich den neuen Stadtteil und mein Gefühl. Erst hat es sich gut angefühlt, dann wurde mein Gefühl gestört, jetzt ist es auf dem Weg der Besserung. Da gibt es die verlassene Clinica Italiana 2 Strassen weiter, dort spukts erzählt man. Da gibts die kleine alte Frau mit dem blauen langen Schleier auf dem Kopf. Sie hat ein Tuch auf Ihrer Schulter und Ihren Hund in einer Ecke liegen. Da gibt es die Sicherheitsfirma gegenüber unserers Fensters, 24 Stunden lang. Unser Big Brother. Da gibt es die Cousinen von meinem Freund, denen wir noch nicht begegnet sind, sie aber von weitem hinter ihren Fenstern sehen am Abend. Da gibt es die vielen kleinen Läden ums Eck, zwischen denen sich seltsame Menschen bewegen. Da gibt es einen großen Park in der Nähe, wo ich unheimisch joggen gehe und das Freiluftfitnesscenter benutze. Da gibt es die teuren und schicken Kauforte Wong und Vivanda am Ende der ruhigen Strassen mit grün. Da gibt es die Kirche wie eine des Jakobsweges in der ich beim deutschen Pfarrer heimisch werden will. Da gibt es unsere halbfertige Wohnung, die sich mit uns zu Hause fühlen will. Und mich, die das gleiche will, aber ich muss raus. Raus aus Lima, Amil, von hinten wie von vorne, ich muss raus aus dieser Stadt. Ich muss weg sein. Mich neu fühlen und dann zurückkommen in mein gutes Lima und in unsere Wohnung.

Der Clown in Lince

So schnell wollte ich garnicht beginnen, weil ich dachte mein Vorwort meiner Hauptworte müsse lang sein, so wie das alle Vorworte, gut durchdacht und erklärend, immer sind. Aber jetzt kommt mir vom Wartezimmer des Hospitals de la Solidaridad aus durch das Fenster ein Clown dazwischen. Er geht über den Fussgängerüberweg, hält aber an, setzt sich eine rote Nase auf seine Nase.. Dann schwimmt er über die Straße ohne Wasser. Jetzt hat er fertig gebadet, steigt aus dem Schwimmbecken an den Straßenrand und schüttelt sich aus seinen Ohren das Wasser. Die Hand aus dem Auto gibt ihm ein paar Münzen. Die rote Ampel bringt ihn in einem verschämten Auf- und Abgang ein wenig in Verlegenheit. Ich kann es durch das Fenster des Hospitals ganz genau sehen. Wie er sich wohl fühlt, dieser Mensch bei dem was er da macht, denke ich. Ich stelle mir vor, dass ich mich toll fühlen würde, wenn ich jetzt er wäre und mir mein Schatten für den Moment der Aufführung egal wäre. Toll! Einfach drüber springen. Zwischen meinen ersten Worten, versuche ich die Vorstellung zu verfolgen. Jetzt ist er Mechaniker, und zeigt an, wie das aussieht – Motorhabue auf, Öl rein, Wasser auffüllen, der Motorhaube nochmal zuwinken, zu. Wieder geben ihm Hände aus sich amüsierenden Gesichtern ein paar Münzen. Dann bin ich dran, die Vorstellung ist für mich beendet. Als ich mit der Untersuchung fertig bin, schaue ich aus dem Fenster, der Künstler ist weg. Schade.

Ich setze meinen Weg fort. Auf dem Weg nach Hause finde ich bei Manchitas Tierärztin wichtige Instruktionen, die zur Heilung eines kleinen Katers in Santa Marta, Kolumbien, beitragen sollen. Barbara und Torben haben ihn gefunden auf dieser Station ihrer Reise. Das Katerchen tut mir leid. Ich kann sein Wehgeschrei bis ins Universum fühlen. Tiergeschichten gehen mir an die Nieren. Alle Hebel sind jedoch in Bewegung gesetzt, so dass es diesem Katerchen bald besser geht. Dieses beruhigte Gewissen nehme ich gern mit ins Bett.

Vorwort

Vorwort

Ich muss meine Seele wieder mit Worten füllen, denke ich. Jedesmal passiert mir dieser Gedanke, wenn etwas passiert. Jedesmal wenn etwas in mir oder um mich rum passiert. Ich beobachte, denke, fühle, verliere es wieder weil ich es nicht festgehalten habe. Ich habe schon immer gewusst, dass meine innere Welt besser ist, wenn ich Sie in Worte fasse. Ich wusste schon immer, dass ich Schreiben muss.

Bis auf einmal, das waren Worte über den Jakobsweg, wusste ich mein Thema nicht mehr. Aber es bedrängt mich. Ich werde Worte schreiben über das, was passiert…

 

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